Vergabe-Glossar für Architekten: von Auslober bis Zuschlag
Auslober, Submission, Präqualifikation, Zuschlagskriterien: die wichtigsten Begriffe der Bauvergabe in der Schweiz — klar und knapp erklärt.
Rund um die Vergabe von Bauaufträgen kursieren viele Fachbegriffe — gerade beim Einstieg sorgen sie für Verwirrung. Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Begriffe der Ausschreibung und Vergabe in der Schweiz, kurz und verständlich.
Die Beteiligten
Auslober
Der Auslober ist, wer eine Ausschreibung oder einen Wettbewerb ausschreibt und das Verfahren verantwortet — also die Bauherrschaft oder der Auftraggeber. Der Auslober legt die Aufgabe, die Regeln und die Beurteilungskriterien fest und erteilt am Ende den Zuschlag.
Anbieter / Bewerber
Die teilnehmenden Architekturbüros, die ein Angebot oder einen Wettbewerbsbeitrag einreichen. Je nach Verfahren spricht man von Anbietern (Submission) oder Teilnehmenden (Wettbewerb).
Die Verfahrensarten
Submission (öffentliche Ausschreibung)
Das formelle Beschaffungsverfahren öffentlicher Auftraggeber nach Beschaffungsrecht (BöB auf Bundesebene, IVöB bei Kantonen und Gemeinden). Transparent und nachvollziehbar, mit Rechtsmittelmöglichkeit.
Offenes und selektives Verfahren
Im offenen Verfahren kann sich jedes Büro direkt bewerben. Im selektiven Verfahren wird zuerst die Eignung geprüft (Präqualifikation); nur ausgewählte Büros reichen danach ein Angebot ein.
Einladungsverfahren und Direktvergabe
Beim Einladungsverfahren fordert der Auslober einige wenige Büros gezielt zur Offerte auf. Bei der Direktvergabe wird ein Auftrag ohne Wettbewerb direkt erteilt — im privaten Markt das häufigste Modell. Welche Vergabeform zu welchem Vorhaben passt, zeigt der Vergleich der Vergabeformen.
Architekturwettbewerb (SIA 142) und Studienauftrag (SIA 143)
Beim Wettbewerb steht die Projektidee im Zentrum: Büros reichen einen Entwurf ein, eine Jury beurteilt anonym (Ordnung SIA 142). Der Studienauftrag (SIA 143) ist ein dialogorientiertes Verfahren mit begleitender Beurteilung.
Eignung und Entscheid
Präqualifikation
Die vorgelagerte Eignungsprüfung im selektiven Verfahren: Der Auslober wählt anhand von Referenzen und Kapazität aus, welche Büros zur Angebotsabgabe zugelassen werden.
Eignungs- und Zuschlagskriterien
Eignungskriterien sind Mindestanforderungen an das Büro (z. B. Referenzen, Fachkompetenz, Kapazität). Zuschlagskriterien bestimmen, welches Angebot gewinnt — etwa Qualität, Honorar, Termine und Wirtschaftlichkeit, meist gewichtet.
Zuschlag
Die verbindliche Vergabe des Auftrags an das ausgewählte Büro. Mit dem Zuschlag steht fest, wer das Projekt ausführen darf.
Werkzeuge und Plattformen
simap.ch
Das offizielle Informationssystem über das öffentliche Beschaffungswesen in der Schweiz — hier werden öffentliche Ausschreibungen publiziert.
Vergabe-Plattform
Eine Plattform bündelt Ausschreibungen und macht sie zugänglich. Auf Architektonik schreiben Bauherrschaften private Projekte aus; geprüfte Architekturbüros geben versiegelte Honorarangebote ab, und die Identität des Auslobers bleibt bis zum Zuschlag anonym — diskret und geprüft.